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Begegnungsreise in den Kongo 2017

18.10.2017

Begegnungsreise 2017 in die D.R. Kongo

 

Vom 28.7. bis 17.08.2017 reiste eine Gruppe von Vereinsmitgliedern, Mitgliedern des Bonner Chors „Pamoja“ und weiteren interessierten Personen zusammen mit unserem Vereinsgründer Michel Sanya Mutambala in den Osten der DR Kongo, um unser Waisenhausprojekt „Jua Kwa Watoto“ in der Stadt Goma zu besuchen und sich vor Ort über die aktuelle Versorgungssituation und die politische Lage zu informieren.

 

Von Frankfurt/Main aus flogen wir zunächst nach Kigali, der Hauptstadt des Nachbar­staates Ruanda. Von dort ging die Reise per Bus ca. 150 km nach Südwesten an die Südspitze des Kivusees. In Bukavu, der malerisch gelegenen Hauptstadt der kongolesischen Provinz Südkivu, verbrachten wir einige Tage in einem einfachen kirchlichen Gästehaus und konnten verschie­dene Bildungs­einrichtungen besuchen: u.a. die Freie Universität ULPLG und das vorbildliche Berufsausbildungs­zentrum CAPA, wo Jugendliche in 19 Fachrichtungen eine ein- bis zwei­jährige qualifizierte Berufsausbildung absolvieren können. Die Besichtigung der zahlreichen Lehrwerkstätten und das beeindruckende Engagement der dortigen Lehrkräfte ermutigten uns, einige unserer Heimkinder, die kurz vor dem Schulabschluss standen und den Wunsch nach einer Fachausbildung geäußert hatten, dort anzumelden.

 

Bei Ausflügen in die Umgebung von Bukavu lernten die Reiseteilnehmer Land und Leute kennen. In der Bergregion von Muku verschaffte uns der Besuch von Märkten, Kranken- und Geburts­stationen, Schulen und einer Landfrauen­kooperative einen Einblick in die Situation im länd­lichen Raum. Dort durften wir auch bewe­gende Gottesdienste mit gemeinsamen Chorauftritten erleben, die zu den beeindruckendsten Erlebnissen der Reise zählten, und trafen uns mehrfach zu Chorproben mit den dortigen Bewohnern.

In zahlreichen Gesprächen mit Gastgebern und Vertretern unterschiedlicher Organisa­tionen wurde deutlich, dass die östlichen Provinzen der D.R. Kongo stark unter den unsicheren politischen Verhältnissen leiden und die Menschen durch erhebliche Teuerungen, besonders bei den Lebensmitteln, große Mühe haben, ihren Alltag zu bewältigen. Viele erhalten keinen Lohn, auch wenn sie regelmäßig einer Arbeit nachgehen und wissen nicht, wovon sie ihre Familien ernähren sollen. Die immense Bedürftigkeit insbesondere von Kindern, Alten, Behinderten und Kranken war allgegenwärtig. Schulen und Universitäten klagten über fehlende Mittel für die notwendige Grundausstattung, überall herrscht großer Mangel, der das öffentliche Leben prägt. Wir erlebten einige Tage des friedlichen Protestes in Form der „Ville morte“ (Tote Stadt), bei dem das öffentliche Leben streikähnlich eingeschränkt war. Hilfe wird nur von wenigen, meist kirchlichen Einrichtungen angeboten, die Programme und Initiativen zur Förderung benachteiligter Menschen entwickelt haben. Der Gottesglaube und Gottesdienstbesuche nehmen einen hohen Stellenwert im täglichen Leben der Menschen ein, die überwiegend christlichen Religionsgemein­schaften angehören und dort besonders in schweren Zeiten Zuversicht finden.

 

Nach 8 Tagen setzten wir die Reise mit einem Passagierboot über den Kivusee fort, sicherlich die schönste und erholsamste Art und Weise, um ins nördlich gelegene Goma, der Hauptstadt der Provinz Nordkivu, zu gelangen. Dort fanden wir, wiederum in einem kirchlichen Gästehaus in ruhiger Umgebung, eine angenehme Unterkunft vor, die uns mit einem sauberen Bett, Badezimmern, meist fließendem und auch heißem Wasser, regel­mäßiger Stromversorgung und einer schönen Auswahl an landestypischem Essen nach der sehr schlichten Unterbringung in Bukavu geradezu luxuriös erschien.

 

Neben kleineren Spaziergängen zur Erkundung der Viertels und Marktbesuchen konnten wir fast täglich das Kinderheim „Jua kwa watoto“ besuchen, wo wir viele Stunden mit Gesprächen, Spielen, Basteln, Singen und gemeinsamen Mahlzeiten sowie Ausflügen mit unseren kleinen und großen Kindern von JKW 1 und 2 in die nähere Umgebung verbrachten: am Lac Vert, dem benachbarten Lac Noir und mit einer Bootsfahrt zu einer naturgeschützten Insel durften wir eine geheimnis­volle, unberührte Natur kennenlernen. Eine Reihe der externen Jugendlichen (JKW 3), die anlässlich unseres Besuches und der Ferienzeit ebenfalls einige Tage im Heim zubringen konnten, gesellte sich dabei gerne zu uns.

 

Ein Großteil der Kinder ist inzwischen zu Jugend­lichen und jungen Erwachsenen herangewachsen, einige stehen schon kurz vor dem Schul­abschluss und machen sich Gedanken über ihre Zukunft und die Berufswahl. Daher war ein intensiver Austausch über Wünsche und reale Möglichkeiten einer Berufsausbildung unumgänglich.
In weiteren Gesprächen mit dem Heimpersonal und dem Vorstand unseres Partner­vereins JKW konnten ebenfalls wichtige
Orientierungs- und Zukunftsfragen bespro­chen werden. Wir besuchten die örtliche Grundschule, informierten uns im Gespräch mit dem Schulleiter über die allgemeine Situation an den Schulen, den Schulbesuch unserer Kinder und studierten deren Zeugnisse. Wir konnten auch den Kauf dringend notwendiger Anschaffungen organisieren, Reparaturen erledigen und Neuanschaf­fungen zur Ver­bes­serung der hygienischen Verhältnisse anregen und z.T. sofort tätigen. So konnten dank einiger Großspenden bereits einige neue Matratzen, frisches Bettzeug und neue Schuluniformen für alle Kinder in Auftrag gegeben werden.

 

Alle Reiseteilnehmer waren stark beindruckt von dem Zusammenhalt innerhalb der Kinder­gemeinschaft, ihrer unerschütterlichen Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die tief verwurzelt in ihrem christlichen Glauben ist, und waren berührt von der umwerfen­den Herzlichkeit, mit der sie den überwiegend fremden Besuchern begeg­neten. Ihre außerordentliche Musikalität und Kreativität dokumentierten sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit: mal mit einem selbst kreierten Theaterstück, oder auch durch mitreißenden Chorgesang und hingebungsvollem Musizieren. Am Sonntag vor unserer Abreise krönte ein gemeinsamer Chorauftritt mit den Kindern unter der Leitung unseres Reiseführers Michel Mutambala das musikalische Programm.

 

So fiel der Abschied allen schwer, als wir nach 19 Tagen die Heimreise antraten. Nach herzzerreißenden und tränenreichen Abschieden im Kinderheim brachte uns schließlich unser Bus über die Grenze nach Ruanda und nach einer weiteren 3-stündigen Fahrt durch die grüne, wunderschöne Hügellandschaft von Westruanda, der ostafrikanischen „Schweiz“, zum Flughafen Kigali, von wo es dann mit dem Flugzeug durch die Nacht zurück nach Frankfurt/Main ging.

 

Die bei dieser Begegnungsreise entstandenen herzlichen Freundschaften und Bindungen werden alle Mitreisenden wie die Bilder und Erinnerungen in den Köpfen sicher noch lange Zeit begleiten, motivieren und unser künftiges Leben beeinflussen.

 

Dagmar Clos

Geschäftsführerin Sun for Children e.V.

(V.i.S.d.P)